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Neuigkeiten vom Lions Club Gera


21.06.2019

NEUE SEUCHE INFLUENZ

Wir sind alle schon manipulierte Opfer der "Freiheit" im Internet
Von Wulf Mämpel | Stellv. Chefredakteur | LION Juni 2019

Stellen wir uns wirklich noch die heikle Frage: Was tun wir gegen die feige Anonymitäts- und die „Pöbelkultur“ des Internets? Vielleicht ist mein Blick ja getrübt: Niemand scheint sich um die Exzesse der digitalen Empörungswut selbsternannter Blogger und Twitter und ihre Hasstiraden ernsthaft zu kümmern. War das das Ziel, als es euphorisch klang: Online first? Ist das wirklich die neue Freiheit für jede und jeden im Paradies der Millionen von Followern, Likern und Influencern? Sind wir User nicht inzwischen zu einem Heer manipulierter Looser in einer selbst auferlegten schläfrigen Zufriedenheit geworden?  Unser Leben in einer digitalen Blase? Ich erinnere an Sir Winston Churchill: „Die Freiheit der Rede hat den Nachteil, dass immer wieder Dummes, Hässliches und Bösartiges gesagt wird. Wenn wir aber alles in allem nehmen, sind wir doch eher bereit, uns damit abzufinden, als sie abzuschaffen.“ Wie sich die Bilder gleichen. Als er das sagte, gab es die neue Freiheit und das unsoziale Verhalten in den „sozialen Medien“ noch nicht. Der Umgang mit der Freiheit aber will gelernt sein - wie Anstand und Respekt, wie Dankbarkeit und Geradlinigkeit. Diese Tugenden zu schützen vor dem Mob im Internet wäre eigentlich die Aufgabe der kundigen Eliten im hochgepriesenen Netzzeitalter. Wo sind die mahnenden Rufer? Wer heute nicht ständig online ist, gilt bereits als Spießer, als konservativ und rückständig. Jede Beleidigung wird jubelnd „geliket“ mit dem Hinweis auf  digitale Grundrechte. Ich finde, das Netz hat seine Unschuld verloren und öffnet extremen Meinungen Tür und Tor - unter dem Signet der Meinungsfreiheit. Jekami: Jeder Depp kann mitmachen, auch unter Aufgabe einer an Werten hohen demokratischen Humanisierung. „Jeder Mensch hat ein Recht auf freie Information und Kommunikation.“ Artikel 5 verteidigt die Meinungsfreiheit, macht aber gleichzeitig darauf aufmerksam, dass diese ihre Grenzen dort finden muss, wo die Unversehrtheit anderer ernsthaft gefährdet wird - etwa durch Hasstiraden, Hetze oder Cybermobbing, durch Daten-Verkauf, Massenüberwachung und Profiling. Die Frage lautet: Wie sind digitale Hetze, Fake News und andere Scheußlichkeiten  im Netz „zu verhindern“, oder wäre das schon das Ende der Meinungsfreiheit? Ich finde, es wird Zeit, klare juristische Regeln aufzustellen, wo- bei es  nicht um eine Löschwut auf den Plattformen geht, die ja den Eindruck erwecken, als seien sie -  und nur sie - die demokratische Öffentlichkeit, sondern um die Flut strafbarer Inhalte. Inzwischen gibt es das Netzwerkdurchsetzungsgesetz. Es verpflichtet die gigantischen Konzerne, beanstandete strafbare Inhalte binnen 24 Stunden von ihren Plattformen zu nehmen. Wer soll die Millionen Texte überprüfen? Zur medialen Freiheit gehört immer noch die mediale Vielfalt, so müsste den amerikanischen Konzernen eine europäische Antwort folgen, doch die sehe ich nicht. Bei einem Hauch von Kritik sofort unsere Freiheit in Gefahr zu sehen, macht blind vor dem Tanz um das Goldene Kalb Internet. Kritische Gedankenfreiheit muss jedoch erlaubt sein, damit die Freiheit im In-ternet nicht zu einer Bedrohung führt. Es scheint sehr vielen Usern völlig egal zu sein, dass Wahrheit, Sprache und Anstand auf dem Altar der manipulierten Freiheit geopfert wurden. Und das ist erst der Anfang: Die Künstliche Intelligenz lauert mit noch ganz anderen Wohltaten …




 
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