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Neuigkeiten vom Lions Club Gera


15.08.2019

URLAUB AUF DEM BALKON

Von wegen nach Luxor oder Bayreuth oder Schottland
Von Wulf Mämpel | Stellv. Chefredakteur | LION August 2019

Ist Fortschritt mit einem Mal Rückschritt? Die Welt, in der wir leben, war nie schwarz oder weiß. Nun scheint sie grün, ultragrün zu werden. Viele Errungenschaften wie das Fliegen geraten in Verruf. Von wegen Mobilität für Jung und Alt: Es wird schön daheim auf dem Teppich geblieben! Kein Flug nach Luxor zu den Schätzen der Antike, aus der Traum vom Tal der Könige, die Job-Maschine Flughafen ist zu meiden. Mit dem Radel zu den Bayreuther Festspielen, den Smoking im Rucksack - und los geht’s. Aber: Wie kommen wir denn nur artgerecht nach Schottland?

Der Wunsch, Menschen etwas zu verbieten, lässt bei vielen gottlob die Alarmglocken läuten. Sofort denkt man an Aldous Huxleys „Schöne neue Welt“ und an George Orwells „1984“. Anders gewendet: Die Retter der Welt haben Hochkonjunktur. Und wir Bürger stehen mal wieder am Scheideweg und sind an allem schuld, weil wir uns dem Fortschritt kritiklos hingegeben haben. Wie rein war doch die Welt, als wir noch auf Bäumen und in Höhlen lebten!

Spaß beiseite: Das Aufhören darf nicht in ein Aufgeben der bürgerlichen Freiheit münden. Niemand käme auf die Idee, nach jedem im Fernsehen gezeigten Mord die Produktion von TV-Krimis zu verbieten. Die Freiheit des Einzelnen ist ein hohes Gut, das, wie die Geschichte zeigt, sehr schnell verloren gehen kann. Politik aber ist das Zusammenspiel und der Ausgleich verschiedenster Interessen ohne Hass und Pöbelei.

Erschreckend sind die Szenarien vom Untergang der Welt, die uns die Medien der Einschaltquoten, der Printauflagen und Follower wegen in diesen Tagen suggerieren. Doch schon der finstere Nostradamus aus Saint Remy scheiterte mit seinen Visionen, ebenso die Gesundbeter und modernen Untergangsfanatiker. Solange wir uns immer noch den Götzen der Wegwerfgesellschaft unterordnen und weltweit essbaren Abfall produzieren, scheint es ja noch nicht so schlimm zu sein. Nun sollen Verbote das Heil bringen, doch Verbote suchen sich immer eigene Welten.

Solange wir hilflose Menschen in den Meeren ertrinken lassen, opfern wir unseren Humanismus auf dem Altar des Populismus. Und viele machen eifrig mit. Egal, ob Diesel, Plastiktüten, Zirkustiere, Flüge in den Urlaub, Kreuzfahrten, Osterfeuer, Sylvester-Kracher, Tempolimit, die Aufzucht von Rindern (Methangas!), die Autos generell, offene Kamine daheim, Holzkohlegrill, Tabak oder Kohlekraftwerke: In Deutschland tobt wieder einmal der Streit über Sinn und Unsinn von Verboten. Es lebe der Paternalismus! Also weniger Konsum, mehr Diät! Argument: Der Mensch braucht das alles nicht, er lebt eh über seine Verhältnisse.

In der täglichen Diskussion erleben wir die Spaltung der Gesellschaft in Böse und Gute. Die Strategie, menschliches Verhalten mittels Verbote zu lenken, ist allerdings äußerst zweifelhaft, denn Verbote werden regelmäßig umgangen. Besser wäre die Vorbildfunktion in der Familie dem Nachwuchs gegenüber!

Also doch lieber Urlaub daheim? Vom Untergang des Tourismus, von dem viele Länder leben,  spricht  noch  niemand.  Das  dürfte  das nächste Kapitel im Untergangskrimi unserer Tage sein.




 
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