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15.03.2020

Klartext: Demokratie bedeutet immer Krise

Permanente Aufgabe: Gut gegen Böse
Von Wulf Mämpel | Stellv. Chefredakteur | LION März 2020

In  diesen  Tagen  scheint  mal  wieder  alles  schief  zu  laufen  im  demokratischen Deutschland, weil Geist und Gesellschaft auseinanderzudriften scheinen. Das große Heer der Dauerempörten hat ein weites  Feld  vor  sich,  auf  dem  die  Pflanze Demokratie  jedoch  durchaus  robust  gedeiht. Der Unmut scheint mit den Händen greifbar zu sein, der Untergang naht mal wieder, die Szenarien der Krise werden  (mal  wieder)  zu  einer  Katastrophe hochstilisiert. An jedem neuen Tag wird (mal wieder) eine neue Sau durchs Dorf gejagt – und der Beifall aus allen Lagern erschallt im Großchor der Empörten. Die oft  zitierte  „Demokratiekrise“  gipfelt  in medialen Räuschen: Alles gehe den Bach runter,  sodass  wir  Normalbürger  kaum noch Schritt halten können.

Irgendwie  reicht  es  nun!  Es  müsste doch  eigentlich  klar  sein,  dass  das  „Erfolgsmodell Demokratie in der Krise“ sich immer noch als die beste aller bekannten Staatsformen herausgestellt hat. Nur – wir sollten ihr den Fetisch nehmen, denn sie ist von Menschen gemacht. Von uns allen, wenn man denn so will, also mit allen Fehlern, zu denen wir fähig sind. Ein bisschen Demokratie geht ebenso wenig wie ein bisschen schwanger. 

Demokratie ist eine ständige Aufgabe, eine Herausforderung, in der Mehrheiten nun einmal nötig sind, um gute Ideen in die  Praxis  umzusetzen.  Wunschdenken gibt es in der Demokratie nicht, sondern hier zählen klare Fakten, Fakten, Fakten und  keine  gefühlten  Wahrheiten.  Ohne Mehrheiten,  ohne  die  Auseinandersetzung,  ohne  Diskussionen  und  Transparenz hat es die Demokratie schwer, sich im Meer der Kritikaster zu behaupten. 

Dass in dieser Debatte Gier, Neid und Hass gedeihen, erleben wir zurzeit an allen medialen Fronten: Das fördert die Mär vom Zerfall der Gesellschaft und der Demokratie, aber auch vom Ende Europas, vom  Beginn  der  weltweiten  Rezession, dem  Tod  der  Umwelt.  Und  über  allem fruchtet die Rhetorik der Populisten und führt zum Gespenst einer Entwurzelung des Menschen in der globalen Welt. Diese geschürte Angst ist allerdings ernst zu nehmen und nicht mit arroganten Statements  zu  übertünchen.  Denn  wer  Gefahren an die Wand malt, kann sich einer millionenfachen Resonanz sicher sein.

Wo  und  wie  soll  es  also  weitergehen in unserer schönen Welt? Wenn nur noch über  Fehler,  Missstände  und  Unzulänglichkeiten geredet, geschrieben, gesendet wird  und  Untergangsszenarien  geradezu heraufbeschworen  werden,  dann  stellen wir Demokraten uns selbst ein Bein auf dem Weg in eine sichere, erfolgreiche und umweltfreundliche Zukunft. Die Wege in diese Zukunft sind steinreich, sie tragen aber immer den Aspekt der Hoffnung in sich. Gerade weil sie so viele Unbekannte, Schwächen,  Sorgen  und  Unzulänglichkeiten  aufweisen,  sind  wir  aufgefordert, engagiert, klug und mit einer harten Kante die Demokratie zu verteidigen. 

Das ist schon mehrfach gelungen, trotz der  vielen  Verführungen  und  Verführer. Der  Kampf  zwischen  Gut  und  Böse  ist eine permanente Aufgabe, weil wir Menschen so sind, wie wir sind. 

Das  zu  erkennen  gehört  zur  neuen Wirklichkeit,  die  im  Grunde  eine  alte Wirklichkeit ist. Man kann den Werteverlust immer wieder beklagen, ihm aber mutig zu begegnen ist das Salz der Demokratie.  Neue  Werte  haben  dann  eine Chance, wenn sie auf alten Werten aufbauen.  Wir  haben  dann  ein  wirkliches Problem,  wenn  Unterhaltung  Information  ersetzt,  wenn  Stimmungen  an  die Stelle von Inhalten treten – das bedeutet dann  Verlust  der  Glaubwürdigkeit,  und das stellt die eigentliche momentane Gefahr dar. Bei uns im Land, in Europa und weltweit.

Wulf Mämpel  | Autor und langjähriger Lokalchef  der WAZ-Stadtredaktion Essen




 
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